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JASMINE ROSSI

Nichts ist von Menschenhand beeinflusst. Jasmine Rossi zeigt Natur in ihrer elementaren Gestalt. Rund um den Globus ist sie gereist, von den eisigen Welten der Pole zu den Wüsten der südlichen Halbkugel, um die Orte der puren Materie zu fotografieren. Das Kunst-Genre der Landschaftsansicht wäre als Klassifizierung für ihre Arbeit nicht genügend – weder aus der Sicht der Malerei noch aus der Sicht ihres Mediums, der Fotografie. Würde das forschende Interesse einer umweltbewussten Reisenden ausreichen? Liegt also ein dokumentarischer oder gar ein philosophischer Antrieb zugrunde? Auch wenn beides zutrifft, so spielt doch vor allem Kreativität eine Rolle. Die Fotografin vereint in ihrer Arbeit einen systematischen Ansatz mit einem sicheren Gespür für die Einmaligkeit eines Bildes. Aber selbst das verblüffendste Motiv wäre nicht des Betrachtens wert, läge nicht auch in ihm die Schönheit der Schöpfung. Um sie hervorzuheben, verwendet Rossi ihr ganzes Können. Sie hat Sinn für die Inszenierung des Schönen; eine Fähigkeit, ohne die Kunst nur schwer funktioniert. Für ihre Themen wählt sie Kontraste der Erdoberfläche. Jeder Bildkomplex ist mit mehreren Reisen unter extremen Bedingungen verbunden und wird lange und intensiv behandelt. Es sind immer Sujets, die auf uns Zivilisationsmenschen ganz besondere Anziehung ausüben – nicht allein, weil sie so ursprünglich und schwer erreichbar sind. Auch das Stoffliche spielt eine große Rolle: die Transformation des Wassers zum Kristall aus Eis ist für uns ein immerwährendes Faszinosum. Im ewigen Eis sind die Aggregatzustände unseres Planeten mit festen und flüssigen Massen zur Landschaft geworden. Die Fotografin Jasmine Rossi ist im Herzen eine Bildhauerin, die genau diese Materie als skulpturale Form bei ihren Motiven sucht und betont. So zeigt sie uns, dass der abgelöste Block eines Eisberges durchaus vergleichbar ist mit einer modernen Plastik. Ihr Interesse gilt nicht nur der Materie als plastische Erscheinung sondern auch der Farbe und Textur eines Motives. Nicht umsonst ist der Werkkomplex der Eisberge gegliedert in vier verschiedenfarbige Stadien des Eises von transparent über blau und grün bis schwarz. Genauso hat das Fehlen der Farbe Bedeutung, denn es zählt zur optischen Hülle eines Körpers wie seine Farbigkeit. Dabei arbeitet Rossi nicht mit schwarz/weiß Fotografie. Sie erlaubt vielmehr den Phänomenen Licht und Schatten, unter gewissen Gegebenheiten die Farbe zu ‚schlucken‘.

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